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Post it mit Schrift "Hauptsatz. Hauptsatz. Hauptsatz. Gähn"

Ein guter Text ist leicht verständlich. Er hat auch Rhythmus; es macht Spass ihn zu lesen. Verständlichkeit schafft man, indem man komplizierte Nebensätze auflöst. Rhythmus schafft man, indem man dann doch wieder ein paar Nebensätze drinlässt. 

Ein guter Text ist verständlich und man liest ihn gerne. Weil er klar und durchdacht formuliert ist. Weil sich die Sätze in Hauptsätzen klar vorwärts bewegen und nicht in verschachtelten Nebensätzen verlieren. Und weil sein Schreiber auf den Rhythmus geachtet hat. 

Der Rhythmus ist wichtiger als man denken könnte

Der Rhythmus ist wichtiger als man denken könnte. Er hängt allerdings eng zusammen mit dem Tipp, nicht zu komplizierte Sätze zu formulieren, weil das der Verständlichkeit schadet. Man sollte natürlich nicht noch einen Nebensatz und noch einen und noch einen in den armen Satz packen. Wenn es doch nötig ist, und das ist es oft und darf es auch sein, dann sollten sich die Nebensätze hintereinander aufreihen, dann versteht man sie leichter.

Wer seine Nebensätze aber ineinanderverschachtelt, macht den Lesenden die Lektüre schwer. Wer einen Nebensatz beginnt, dann den nächsten und dann noch einen, der muss sie alle auch wieder beenden. Und er fordert vom Lesenden, sich alle Anfänge zu merken, bis endlich, endlich das erlösende Ende kommt. Diese Langmut beweisen die wenigsten Leser. Vielmehr fangen sie an zu springen, erst mit den Gedanken, dann mit den Augen. Und dann sie schon weg. Denn jeder hat besseres zu tun als schlechte Texte zu lesen. 

Die Devise lautet: Abwechslung tut gut

Wer daraus aber nun folgert, er sollte nur in Hauptsätzen schreiben, der wird einen langweiligen, eintönigen Rythmus ernten. Hier lautet die Devise, wie so oft im Leben: Abwechslung tut gut. Was also tun?

An Beispielen lernen ist am einfachsten. Zunächst zum Thema: Nebensätze auflösen. Daher war ich mal wieder auf der Internetseite der Stadt Zürich unterwegs. Ich musste ein bisschen in die Tiefe der Site steigen, aber im Gesundheits- und Umweltdepartement wurde ich fündig. Unter dem Stichwort «Public Health» steht da Folgendes: 

«Gesundheit wird von vielen Einflussfaktoren bestimmt.» Ein wunderbar klarer Satz. Aber so geht der Text weiter: «Dazu gehören, nebst den individuellen biologischen Voraussetzungen und Verhaltensweisen, insbesondere die Leistungen der Gesundheitsversorgung, der Prävention und Gesundheitsförderung sowie deren Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen.»

Nebensätze stehen immer zwischen Kommas

Puh. Es geht um unsere Gesundheit. Aber darüber hinaus verstehen wir – nichts. Hauptgrund: Ein Hauptsatz wird von einem Nebensatz unterbrochen. «Dazu gehören insbesondere die Leistungen der Gesundheitsversorgung, der Prävention und Gesundheitsförderung sowie deren Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen.» Das ist der Hauptsatz. Und dazwischengeschoben wird: «nebst den individuellen biologischen Voraussetzungen und Verhaltensweisen». Übrigens, kleiner Tipp zum Thema Rechtschreibung: Nebensätze stehen immer zwischen Kommas. Auch wenn nicht alles ein Nebensatz ist, was zwischen Kommas steht. Aber vieles. 

Eigentlich besteht der Satz aus simplen Aufzählungen. Es gibt diese Einflussfaktoren und diese. Manche sind etwas wichtiger als andere, deswegen werden die nicht so wichtigen in einem Nebensatz untergebracht. Der Schreiber hat damit eine andere wichtige Regel immerhin befolgt. Die lautet: Hauptsachen gehören in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze. Weil Nebensätze dem Hauptsatz untergeordnet, also ohne ihn nicht verständlich sind, sollten sie auch keine wichtigen Fakten beinhalten. 

Komplizierte Sätze und Blähmonster

Zurück zum Beispiel. Wenn der Satz eine simple Aufzählung ist, kann man ihn leicht auflösen. Etwa so: «Gesundheit wird von vielen Einflussfaktoren bestimmt. Dazu gehören die individuellen biologischen Voraussetzungen und Verhaltensweisen. Wichtiger noch sind die Leistungen der Gesundheitsversorgung, der Prävention und Gesundheitsförderung. Aber auch sie nützen nur, wenn sie für alle Bevölkerungsgruppen leicht zugänglich sind.»

Der eine Satz wurde damit zu vier neuen Sätzen. Der letzte davon hat noch einen Nebensatz, weil ich natürlich das Blähmonster «Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen» auflösen wollte. Klar, da sind immer noch viel zu viele Blähworter unterwegs – warum sind eigentlich nicht «alle Bevölkerungsgruppen» einfach «alle»? Aber egal, das soll uns jetzt mal nicht kümmern. Denn das hatten wir ja schon. 

Hauptsätze allein machen den Rhythmus langweilig 

Auch rhythmisch gefällt mir meine Auflösung. Denn wer nur in Hauptsätzen schreibt, achtet nicht auf den Rhythmus. Hauptsatz. Hauptsatz. Hauptsatz. Das erinnert an marschierende Soldaten. Es wirkt eintönig. Und langweilt schnell. Schon oft habe ich Zeitungsartikel angefangen, weil mich das Thema interessierte, und die Lektüre dann doch bald abgebrochen. Erst nach kurzem Nachdenken merkte ich, dass mich der Rhythmus einfach nicht packen konnte. 

Auch das soll ein Beispiel erklären. Auch dieses kommt von der Internetseite der Stadt Zürich. Da werden die Aufgaben des Stadtrates so erklärt: «Der Stadtrat bildet die Regierung der Stadt Zürich und arbeitet als Kollegialbehörde. Seine neun Mitglieder sind vollamtlich tätig. Jedes Mitglied steht einem Departement vor. Üblicherweise tritt der Stadtrat jeweils am Mittwochmorgen im Stadtratssaal des Stadthauses zu einer ordentlichen Sitzung zusammen. Den Vorsitz führt die Stadtpräsidentin.» Subjekt Prädikat Objekt. In jedem Satz. Der letzte ist ein wenig länger, behält aber den Rhythmus bei. Merken Sie, wie langweilig das auf die Dauer wird? Wenn nicht, lesen Sie sich den Absatz laut vor. Dann spätestens wissen Sie, was ich meine. Hoffe ich. 

Die Regel lautet daher: Schreiben Sie tendenziell in Hauptsätzen. Und schieben Sie immer wieder Sätze mit Nebensätzen ein. Achten Sie einfach darauf, dass es nicht mehr als ein, maximal zwei in einem Satz sind. Dann können Sie nicht viel falsch machen.

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2 Kommentare

  1. Liebe Valeria, an wen richten sich deine letzten Blogbeiträge? Sie erinnern mich sehr an die Lehrbücher von Wolf Schneider. Aber gibt es denn gültige Regeln für Texte? Gilt es nicht auch, die individuelle Sprachkraft, den eigenen sprachlichen Gestaltungswillen zu stärken? Und solche Fähigkeiten halten sich doch eher nicht an Regeln, meine ich. Und wie siehst du das?

    Antworten
    • Liebe Theres, meine Text-Beiträge richten sich natürlich nicht an Autor*innen literarischer Texte. Die kennen die Regeln sicherlich sehr gut und verstossen oft auch bewusst dagegen. Das ist ihr gutes Recht und – bedingt – auch gerade ihre Kunst. Meine Blogbeiträge richten sich eher an Menschen, die nicht viel schreiben, vielleicht sogar Scheu oder Angst davor haben. Ihnen will ich zeigen, dass es sehr einfach ist, gut zu schreiben. Und ja, ich finde ganz sicherlich, dass es Regeln gibt, die Texte besser machen. Ich selbst habe sie – nicht zuletzt wirklich mit Wolf Schneider – als junge Journalistin gelernt und in meinem Berufsleben sehr davon profitiert. Ich gebe Dir aber gleichzeitig auch Recht, dass sie Texte langweilig machen, wenn sie zu sehr und zu sklavisch befolgt werden. Auch deshalb schreibe ich hier zum Beispiel von den rhythmischen Texten. Der Rhythmus zum Beispiel spielt bei Schneider eine viel zu geringe Rolle. Aber er ist wichtig. Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage.

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